2019

"Wie es euch gefällt"

Was ist das Geheimnis eines Theaterstücks, das seit über dreihundert Jahren zu den meistgespielten, zeitlosesten und erfolgreichsten Komödien zählt, obwohl dessen Handlung eher trivial anmutet?

 

Mit einer Erklärung, was genau die Faszination von WIE ES EUCH GEFÄLLT ausmacht, tut sich die Kritik seit der Entstehung des Stückes schwer; denn es fehlen die psycholo­gisch vielschichtig gezeichneten Charaktere und eine aktionsgeladene sowie spannungsreiche, virtuose Handlung, Qualitäten, die in der Regel den besonderen Rang von Shakespeare' s Dramen begründen.

 

Mit der Handlung geht der Autor betont zurückhaltend um: Im Wald von Arden passiert nicht viel; man ist da und verbringt die Zeit. Zuvor muss jedoch einiges passieren, damit die Figuren in den Wald kommen, und am Schluss gibt es manches zu entwirren, aber das alles wird im Handumdrehen erledigt. Die Handlung von WIE ES EUCH GEFALLT besteht nur aus einer Reihe von angenommenen Er­eignissen, durch welche die Position von Personen verändert wird.

Dominant ist die Krise - immer und überall. Am fürstlichen Hof, wo Egoismus, Opportunismus, Neid und Missgunst in zerstörerischer Art herrschen, setzt sie das Drama in Gang: Jeder muss sich verbiegen, um zu bestehen oder wird verbannt. Aber dann, im mystischen Ardenner Wald befeuert die Krise die Komödie: Alle, die in den Wald geraten, werden gezwungen, sich neu und ausserhalb der bisherigen und gewohnten gesellschaftlichen Konventionen zurechtzufinden und neue Identi­täten auszuprobieren. Die gesamte Tastatur des pastoralen Lebens, wie ,,anders  leben",  ,,natürlich  leben", „in Liebe leben", wird von jemandem vertreten. Der Wald wird zum sym­bolischen Ort der Prüfungen: Die Möglichkeiten und Grenzen eines alternativen Lebens in der Natur, das Verhältnis zwischen Spiel und Realität, die Bedeutung der Liebe und der Geschlechterrollen für die eigene Identität werden ausgelotet.

Ebenso zentral wie die Krise ist die Liebe. Die Komödiendialoge spielen verschiedenste Liebesvariationen durch: Von romantisch, über derb­-lustig, bis zu pragmatisch und illusionär. Das bezaubernde Liebes­versteckspiel zwischen Rosalinde und Orlando ist eine komisch-tief­gründige Suche nach der Liebe und nach sich selbst.

Das ganze Universum ist ein Thea­ter, auf dem simultan viele Stücke aufgeführt werden. Jaques, der Hauptformulierer, führt das Bild vom Welttheater aus: ,,Die ganze Welt ist eine Bühne, und Männer, Frauen, alle sind bloss Spieler. Sie gehen ab und treten wieder auf und spielen eine Rolle nach der andern in sieben Akten bis zum Tod."

Text: Barbara Martell

Programm/Besetzung

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Fotos: Heidi Arens, Anja C.Kuhn, Marty-Trezzini.com