2002

"Bluthochzeit"

Vor Jahren war Leonardo Felix mit der damals fünfzehnjährigen Braut verlobt. Standesdünkel und seine Armut haben die Heirat verhindert. Leonardo führt nun mit einer anderen Frau eine freudlose Ehe, kann aber die Jugendliebe nicht vergessen. Auch das Mädchen muß mit einem anderen Burschen aus der Verwandtschaft Hochzeit halten, dessen Familie mit der Sippe der Felix in Blutrache lebt. Die Mutter des Bräutigams, die bereits den Mann und den ältesten Sohn durch die Familienfehde verlor, ist von schlimmen Ahnungen erfüllt. Am Hochzeitsmorgen gesteht Leonardo, der als Gast geladen ist, der Braut seine ungebrochene Liebe. Auch die Braut, lässt sich mitreißen von ihrer Leidenschaft. Während die Hochzeitsfeier stimmungshaft nach altem andalusischem Bauernbrauch abrollt mit Liedern und Tänzen, Trinksprüchen und Segenswünschen, hat Leonardo die Braut auf sein Pferd gerissen und in die Berge entführt. Der Bräutigam als Rächer seiner Ehre nimmt mit seinen Freunden die Verfolgung auf. Die kurze nächtliche Gemeinschaft der Liebenden auf der Flucht gestaltet Garcia Lorca als dunkles Naturmärchen. Der Mond und der Tod erscheinen als menschliche Gestalten. Diese Elementarwesen zeigen den Verfolgern den Weg und helfen mit, damit sich die Tragödie erfülle. Umsonst fleht die Braut, Leonardo möge sich durch Flucht retten. Er erwartet den Rivalen zum Zweikampf, den keiner von ihnen überlebt. Und wie meist bei Garcia Lorca stehen am Schluss die Frauen allein, versteinert vor Schmerz, und tragen ihre Liebe zu Grabe: die Mutter des Bräutigams, Leonardos Frau und die Braut erfüllen die alten Grabriten der Heimat und erkennen darin ihr Schicksal, dem sie unterworfen sind.Dieser Stoff aus Hochzeit und Entführung, Schuld und Leidenschaft, Blutrache und Bauernehre erinnert an Cavalleria Rusticana, an die Leidenschaftsdramen des Giovanni Verga und den italienischen Verismo. Aber Garcia Lorca überhöht den Stoff zur zeitlosen, urtümlichen Ballade. Die Figuren sind typisiert und kommen mit Ausnahme Leonardos ohne Eigennamen aus. Wie in "Dolia Rosita bleibt ledig" die Blumen-Metaphern ein lyrisches Zeichensystem setzen, so ist es hier der Pferde-Mythos des Pegasus, das leitmotivisch aufklingende Wiegenlied vom "großen Falben". Er wird auch das Paar, das nicht für einander bestimmt ist, in den Untergang tragen. Ebenso werden die bäuerliche Erde, Baum und Fluss als zeitlose Mächte einer archaischen Welt beschworen. Immer wieder steigern sich die Prosaszenen zu lyrischen Verspartien, die das Geschehen ins Irreale überhöhen, die Naturmythos und Schicksalsmächte einbeziehen. Wie stets in der romanischen Literatur von Alejandro Casona bis Jean Cocteau erscheint der Tod als Frau. Auch der Mond ist im antiken Sinn Sinnbild des Todes und Zerstörer der Liebe, die Mutter als Gegenfigur die mythenschaffende, leidende, aber immer neu gebärende Lebensspenderin. Mit seinen zeitlosen, elementaren allegorischen Figuren hat dieses Stück immer wieder auf das Musikktheater gewirkt: J. Jose Castro (1956), Wolfgang Fortner (19.57), S. Szokolay (1965) haben den Text als Oper vertont, D. Apivor (1953) hat daraus ein Ballett gemacht.

Aus Reclams Schauspielführer

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